Single sucht Cover

Ein Beitrag von Stefanie Kock

DAS PHANTOM DER SCHULE

oder "Wie ich zum Schreiben kam"

von Stefanie Kock

 

Schon als Kind habe ich leidenschaftlich gern geschrieben. Am liebsten Abenteuergeschichten, in denen ich Erlebtes mit fantastischen Elementen mischte. Im Mittelpunkt dieser Geschichten standen meine Klassenkameraden und Lehrer, die ich wahlweise auf Verbrecherjagd schickte, in Spukschlössern oder Indianerdörfern übernachten oder mit Piraten und Seeungeheuern kämpfen ließ.

In der Grundschule war ich für meine ausufernden fantasievollen Aufsätze berühmt-berüchtigt. Auch auf dem Gymnasium sprach es sich schnell herum, dass die Steffi gern und viel schreibt. Alle wollten wissen, was es mit diesen geheimnisvollen Geschichten auf sich hat. Lies uns doch mal was vor, forderten mich meine Klassenkameraden auf dem Schulhof auf. Wir sind so neugierig. Du kannst diese Geschichten nicht einfach für dich behalten. Geschichten sind doch dazu da, dass man sie erzählt. Und so kam es zu meiner ersten Lesung.

Das fünfte Schuljahr war zu Ende und ich freute mich auf die Sommerferien. Die letzten Monate hatten mich ziemlich geschlaucht. Ich brauchte dringend eine Auszeit von Vokabeln und Grammatik, von Fakten, Formeln und Zahlen. Wobei die Zahlen das mit Abstand größte Problem darstellten. Herr Schöttler, unser Mathelehrer, hatte sich damit abgefunden, dass ich ein hoffnungsloser Fall war. Du bist eine Zahlen-Legasthenikerin, hatte er mal zu mir gesagt und mich dabei ganz traurig angesehen. Aber irgendwie schien er mich trotzdem zu mögen.

Jedenfalls fragte er mich am letzten Schultag, ob ich nicht eine meiner eigenen Geschichten vorlesen wolle. Quasi als Einstimmung auf die Ferien. Ich überlegte, wer ihm das wohl gesteckt hatte, sah die grinsenden Gesichter meiner Mitschüler und sagte, ja, das könne ich gerne machen. Herr Schöttler und ich tauschten die Plätze, ich schlug mein Heft auf und fing an zu lesen.

Wie es der Zufall wollte, hatte ich gerade erst eine Geschichte beendet, in der unser Mathelehrer die Hauptrolle spielte. Wenig später und viele Seiten weiter, waren meine Klassenkameraden und ich auf Geisterjagd im Gymnasium, um Herrn Schöttler aus den Fängen eines bösartigen Phantoms zu befreien, das dort sein Unwesen trieb. (Nicht zu verwechseln mit Andrew Lloyd Webbers Phantom der Oper. Dieses sollte erst ein paar Jahre später durch Hamburgs Theaterwelt geistern;-) Nach einem mitternächtlichen Showdown in der Schulaula gelang es meinen Mitschülern und mir, unseren Mathelehrer zu befreien und das Phantom zu besiegen. Damit war die Geschichte auch schon fast zu Ende. Der Bürgermeister überreichte uns eine Tapferkeitsmedaille, Herr Schöttler bedankte sich bei uns, indem er das Gymnasium zu einem Vergnügungspark umbauen ließ und wir mussten nie wieder zur Schule gehen.

Als ich von meinem vollgekritzelten Schreibheft aufsah, schaute ich in die begeisterten Gesichter meiner Klassenkameraden und in das verschwitzte und gerührte Gesicht von Herrn Schöttler, dem die Tränen über die geröteten Wangen liefen. Zahlen sind nicht alles, sagte er nach dem Unterricht zu mir und fügte etwas leiser hinzu: Ich bin so froh, dass Ihr mich gerettet habt. Nicht auszudenken, was das Phantom mit mir gemacht hätte, wenn Ihr nicht rechtzeitig gekommen wärt mich befreit hättet.

Von da an ließ er mich mit quälenden Fragen zu Logarithmen und Linearen Gleichungssystemen in Ruhe. Ich hatte den Satz des Pythagoras mit meinen eigenen Sätzen zerschlagen und mein durch schlechte Schulnoten angeknackstes Selbstbewusstsein wiederhergestellt. Der Krieg der Zahlen war vorüber und Herr Schöttler mit mir versöhnt.

Die Story mit dem Phantom war nur der Auftakt einer Reihe abenteuerlicher Geschichten, die ich von da an regelmäßig vor der Klasse zum Besten gab. Trotzdem wurde aus mir erst einmal keine Schriftstellerin. Die Pubertät war im Begriff, über mich hereinzubrechen und ich hatte Besseres zu tun, als auf dem Papier um Worte zu ringen. Meine Fantasie kreiste nicht länger um Phantome, Piraten, Seeungeheuer und Indianer, sondern um angesagte Klamotten, Partys, Jungs und den ersten Kuss. Ehe ich mich's versah, hatte ich mich Hals über Kopf verliebt. In einen Jungen aus der Parallelklasse, der süß war, aber ein Depp. (Was ich damals noch nicht wusste.) Nachdem er meine ungeschickten Avancen mit der rotzigen Bemerkung Sorry, aber du bist so gar nicht mein Typ abgeschmettert und mich sprachlos zurückgelassen hatte, flüchtete ich mich in die Welt des Theaters. Aus der Flucht wurde bald die große Liebe. Ich vergaß den Jungen aus der Parallelklasse und schwelgte im häuslichen Rollenstudium als Schillersche Jungfrau von Orléans in meiner Liebe zu Shakespeares Romeo.

Ich machte mein Abitur und besuchte eine renommierte Schauspielschule in Wien, bekam ein Stipendium für eine Musicalausbildung in Hamburg, spielte und sang an vielen Theatern viele kleine und manche große Rolle. Ich wurde eine leidenschaftliche Interpretin fremder Worte, fremder Sätze und fremder Abenteuer. Und obwohl mich die Schauspielerei und die Musik erfüllten, blieb doch immer auch die Sehnsucht nach den eigenen Geschichten, die ich irgendwo auf dem Weg zum Erwachsenwerden verloren hatte.

Viele Jahre später, auf einer Zugfahrt von Hamburg nach München, holte mich die Vergangenheit wieder ein. Während draußen die Landschaft in einer Art Sintflut versank, tauchte ich in die Welt von Bridget Jones' Tagebuch ein, das mir eine Freundin empfohlen hatte. Bis dahin hatte ich um Frauenromane immer einen großen Bogen gemacht. Frauenromane waren dicke Wälzer mit aneinandergereihten Klischees und biederen Charakteren, die keinen Sinn für Humor haben.

Nun hielt ich dieses Buch in der Hand. Einen Frauenroman. "Schokolade zum Frühstück. Das Tagebuch der Bridget Jones. Weil ich kein anderes Buch dabeihatte, fing ich an zu lesen. Ich las und las. Und war begeistert. Bridget war cool. Bridget war anders. Bridget war durchgeknallt, erfrischend unperfekt und anarchisch. Du bist auch ein bisschen Bridget, dachte ich, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte. Dein Leben ist genauso verrückt. Vielleicht solltest du selber mal ein Buch schreiben.

Gesagt getan. Ich kaufte mir einen Block und fing an zu schreiben. Ich schrieb und schrieb. Am Anfang war es schwer. Ich hatte keine Erfahrung, ich musste mir meine Sprache erst mühsam zurückerobern. Ich zweifelte. Ich raufte mir die Haare. Ich zermarterte mir das Hirn. Ich unterschätzte mich. Ich überschätzte mich. Ich schätzte, dass ich niemals fertig werden würde. Dann sah ich mich in Gedanken mit dem Buch in der Hand. Ein unglaubliches Gefühl. Ich gab mir einen Ruck und schrieb weiter. Irgendwann wurde es leichter. Die Charaktere erwachten zum Leben, die Geschichte nahm Fahrt auf und riss mich mit sich. Endlich war es geschafft und ich hielt mein erstes eigenes Buch in den Händen. Dieses Buch. Single sucht Cover.

Ich bin froh, dass ich meine Sprache wiedergefunden habe. Ich weiß jetzt, dass das Schreiben ein Teil von mir ist. Ich werde immer schreiben. Ich brauche das Schreiben wie die Luft zum Atmen.  Die Worte auf dem Papier sind meine guten Freunde. Ich kann mit ihnen lachen und mit ihnen weinen. Sie helfen mir, mich in der Welt zurechtzufinden, in der es viel zu oft um Zahlen und Fakten geht. Und viel zu selten um Fantasie. Wir alle brauchen Geschichten. Erzählte und eigene. Ohne Geschichten wäre unser Leben eine Wüste. Geschichten lassen uns fühlen. Geschichten machen uns menschlich.

Wie wird es weitergehen? Ideen gibt es viele. Vielleicht schreibe ich eine Fortsetzung von Single sucht Cover. Vielleicht schreibe ich auch etwas ganz anderes. Eine Art biographischen Roman. Vielleicht auch Kurzgeschichten. Oder ich schreibe über Seeungeheuer und Piraten, über Indianer und Phantome. Über all das, worüber ich schon als Kind so leidenschaftlich gern geschrieben habe: Darüber, wie ich die Welt erlebe.

 

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß beim Lesen von Single sucht Cover und freue mich auf Euer Feedback! (Entweder auf Amazon, Facebook, Twitter oder auf meiner HP www.stefanie-kock.de)

Eure Steffi

 

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