"Lorai versteht nicht"

Ein Beitrag von Le Alex Sax

Das Buch "Lorai versteht nicht" erscheint voraussichtlich noch 2016. Das Cover ist also noch nicht fertig und wird nachgereicht!
Das Buch "Lorai versteht nicht" erscheint voraussichtlich noch 2016. Das Cover ist also noch nicht fertig und wird nachgereicht!

Inspiration - nichts ist wie es scheint!

 

Das grosse Thema in meinem Leben war und ist die Inspiration und weshalb sie nie das tut, was sie soll. Als Muse taugt sie jedenfalls nicht sehr viel, wie ich im Verlaufe vieler Gelegenheiten feststellen durfte. Das hängt aber wohl eher damit zusammen, dass ich Unsinns-Gene geerbt habe und das nicht zu knapp. Da hat es auch die Inspiration schwer, wenn sie serös arbeiten will.

 


Über mich

Mit meinem Leben angefangen habe ich in Engelberg in der Schweiz. Da haben mich bis zu meinem vierten Lebensjahr nicht die Berge, sondern die schmutzige Rotzgöre schon früh inspiriert. Dieses Kind hatte immer einen dicken graugrünen Schleim im Gesicht, der sich wie eine Schlange vom linken Nasenloch bis zum Kinn zog und schimmernd aufs T-Shirt tropfte. Sie war bezüglich Dreck mein grosses Vorbild und 


das genaue Gegenteil von mir.  Sie sagte nie viel, sondern rotzte einfach so vor sich hin. Ich hingegen war ein hibbeliges und dauerplapperndes Kind, dass schon mal an den Nerven zerren konnte. Als meine Schmutz-Muse dann aber mit der Faust einen Salamander platt haute, habe ich vom Rotz Abschied genommen und das arme und sehr flache Tier im Sandkasten beerdigt. Glücklicherweise ist unsere Familie dann bald nach Reussbühl im Kanton Luzern gezogen, wo ich in den Kindergarten und in die Primarschule ging. Hier fand mich die Inspiration in Form eines Nachbarjungen. Ich fand es viel interessanter, ihm hinter den Friedhof zu folgen und tote Schweine aus dem kleinen Bachbett zu fischen, als mit Puppen zu spielen. Die Bauern hatten die Tiere im Wäldchen hinter den Toten entsorgt. Als der Junge dann aber nach dem dritten blutenden und nach Verwesung stinkenden Schweinchen, dass er durchs Dorf schleppte, weggebracht wurde, war auch diese Welt wieder gnadenlos langweilig. Damals fing ich mit dem Lesen an, weil ich merkte, dass die wirklich interessanten Inspirationen leider nie von langer Dauer waren. Natürlich schlugen sich meine Fantasien bald auch in meinen Schulaufsätzen nieder. Da meine Lehrerin Blut und Tod unverständlicherweise ablehnte, fing ich bald an, heimlich und nur für mich zu schreiben. Ich fand mein geheimes Leben sehr vergnüglich, denn schon da gab es ein paar Papiertote. Von den Geistern und sonstigem gar nicht zu reden. Als wir wieder umzogen, diesmal nach Luzern, war ich lesetechnisch im Krimibereich angelangt. Doch diesen fand ich bald ziemlich öde. Ich fand es einfach unlogisch, dass jeder Mörder gefasst wurde und ins Gefängnis kam. Ich dachte mir da schon, es muss mehr von der Sorte geben. Und zwar unerkannt. Auch mochte ich es einfach, wenn die Bösen entkamen. Irgendwie fand ich Bad-Boys damals schon attraktiv. Dann kam der schöne Miguel und alles war für eine Weile vergessen. Er war kein böser Junge, er war einfach nur schön und hatte feurige Augen. Ich fand nun, die grösste Inspiration wäre die Liebe. Das ging genau solange gut, bis der junge Mann seine klebrigen und sehr nassen Küsse über mein ganzes Gesicht und den Hals verteilte. Da ich nun nicht immer mit einem Waschlappen bewaffnet durch die Gegend laufen wollte, setzte ich Miguel an die Luft und die Bücher wieder in mein Leben. Ganz davon abgesehen, fand ich das total widerlich und kam einfach nicht dahinter, was diese Küsserei sollte. Ich war nicht nur in der Beziehung ein verständnisloser Teenager. Bald stellte ich aber fest, dass auch Bücher eine recht trügerische Sache waren. Denn man wird tatsächlich geächtet, wenn man im Bus sitzt und eine Zombie-Apokalypse liest, bei der das Buchcover abgetrennte blutige Körperteile zeigt. Jedenfalls wurde ich so nicht zum Liebling des Jahres. Von da an stopfte ich meine Bücher in ein Klatschheft. Das war allgemein anerkannt. Bald war die Schulzeit vorbei und ich verbrachte ein Jahr in der welschen Schweiz zum französisch lernen. Dort stolperte ich über Tote, lernte wie man hunderte Spinnen auf einmal tötet und hängte lebensgrosse Puppen als Leichenersatz auf. Wo die in rote Farbe getauchten Tampons auftauchten, lasse ich jetzt mal weg. Dazu die Jagd auf einen Mörder! Und der war auch noch echt! Die Inspirationen waren wirklich fantastisch und jagten mich regelrecht durch das Jahr. Mein französisch blieb aufgrund der abwechselnden Inspirationen leider mangelhaft. Danach wurde ich in die Arbeitswelt verfrachtet. Da wählte ich dann den kaufmännischen Bereich, weil ich alles andere noch schlechter fand. Aber hier konnte ich wenigstens schreiben. Zwischen sturen Vorgesetzten und einfallslosen Arbeitskollegen, blieb die Inspiration aber eher im Dunkeln meiner Gehirnwindungen zurück. Auch der Versuch, in der Firmenzeitung einen blutigen Organklau-Krimi zu platzieren, führte bei der Führungsriege nicht gerade zu Begeisterungsstürmen. Ich wurde also zwangsweise seriös. Nach etlichen ernsten Berufsjahren und der damit verbundenen erfolglosen Suche nach der richtigen Inspiration, war klar, dass ich aufhören wollte, ein Business-Mensch zu sein. Ich wollte Geschichten erzählen und ich wollte nicht mehr brav und folgsam sein und ich wollte mir endlich einige Vollpfosten vom Hals schaffen.  Das war die Erlösung schlechthin. Da mein Leben dank meiner genetischen Unsinnsveranlagung schräg genug war, bot sich da eine Menge Stoff zum Schreiben an.  Das ist mein Lieblingsgebiet, kleine bissige Alltagsgeschichten. Aber es gibt auch ein Leben hinter dem Tagesnebel. Es geht einfach nichts über ein gepflegtes meucheln auf Papier.  Ich mag dabei aber keine typischen Krimigeschichten, sondern ich will Mörder, die der Polizei gar nicht erst auffallen. Also erfolgreiche Menschen eben. Natürlich ist aus meiner Feder auch schon eine nicht sehr freundliche Ananas oder eine Vampirin mit Gewichtsproblemen gekrochen. Die Sache mit dem Durchfall erläutere ich besser nicht näher. Mit diesen Ideen im Kopf beendete ich meine Business-Karriere und fing an, mich nur noch auf das Schreiben zu konzentrieren. Und es gibt tatsächlich Leute, die erfreut darüber sind. Also ich meine die, die meine Texte lesen. Nicht, dass da Missverständnisse aufkommen.

Le Alex Sax - Die Autorin

Heute bin ich als Autorin tätig und arbeite an meinem ersten Buch. Na gut, eigentlich ist es schon fertig, muss aber noch bearbeitet werden. Auch das zweite ist in Arbeit und das dritte ist schon angefangen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich so fleissig sein könnte. Der Arbeitstitel meines ersten Buches ist «Lorai versteht nicht». 

Lorais Geschichten sind wahre Geschichten. Egal, wie unglaublich sie klingen, sie passierten. Deshalb gibt es auch kein Foto von mir, denn die beschriebenen Personen leben alle noch. Jedenfalls die Meisten. Das wäre also leicht ungünstig für mich, aber auch für andere. Dann wären wir nämlich bei peinlich. Und das will ja schliesslich keiner so genau von sich wissen.  Daneben möchte ich aber meiner Fantasie freien Lauf lassen. Deshalb bin ich schriftlich gerade zart am Morden. Zugegeben, auch hier gibt es den einen oder anderen realen Hintergrund. Ab und zu ist aber auch nur der Wunsch der Vater des Gedankens. Momentan arbeite ich gerade an einer 70jährigen rheumageplagten Mörderin. Aber ich muss sagen, Alter schützt vor Effizienz nicht. Sie bringt jedenfalls ihre Opfer gekonnt unter die Erde. Daneben ist eine Vampirin mit Ehe- und Erziehungsproblemen. Ja, sie hat ein ekelhaftes Kind. Aber da ist sie möglicherweise nicht die einzige Mutter. Täglich kommen mir neue Geschichten in den Sinn, die die Welt nicht braucht, sie aber um einiges witziger machen. Aber, das reicht mir natürlich bei weitem nicht. Wer viel redet, schreibt auch viel. Da hast sich seit meiner Kindheit nicht viel verändert. Nicht, dass dieser Umstand Einfluss auf die Qualität des Textes hätte. Aber es muss raus.  Deshalb blogge ich auch. Das Erstellen des eigenen Buches und die jeweiligen Erklärungen dazu, wären da inhaltlich der natürliche Gang der Dinge gewesen. Allerdings gibt es viele Blogger, die das tun und die machen das ausgezeichnet. Die Welt hat in der Beziehung also nicht auf mich gewartet. Gut, sie hat überhaupt nicht auf mich gewartet. Aber das ist ein anderes Thema. Bald wusste ich, dass ich kleine und sagen wir leicht boshafte Alltagsgeschichten bloggen wollte. Der Wahnsinn des täglichen Lebens sollte in den Äther posaunt werden. Schliesslich setzt sich meine Protagonistin Lorai nie ins Fettnäpfen, sondern immer gleich in die Fritteuse. Diese Effizienz wollte ich beibehalten. Da ich schon etwas wie Lorai bin und dementsprechend nichts normal tun kann, spiegelt sich diese Haltung auch in den Geschichten wieder. In der Folge fand mal eine Leserin, ich scheine zum Suizid zu neigen. Köstlich, wenn es doch nur mehr solch inspirierenden Kritiken gäbe! Es war übrigens eine Businessfrau. Die leichte Ironie ist erkennbar. Meine Blogs, genannt Minis, sammle ich auch fleissig auf meiner Homepage, um sie der geneigten oder auch nicht geneigten Leserschaft unterzujubeln.

 

Damit ist mein Leben auch schon fast erzählt. Ich habe meine Inspiration immer in meinem Kopf gesucht. Bis ich dann feststellte, dass das Leben in der realen Welt nie ist, wie es scheint und somit immer die grösste Inspiration liefert. Man muss nur genau hingucken und schon ist man vom Wahnsinn umzingelt. Gut, dass hat schon mit dem Inhalt meines Kopfes zu tun. Aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Seitdem bringe ich jedenfalls dieses Chaos in Buchstabenform an die Luft. In diesem Sinne wünsche ich allen viel Glück und Spass beim genauen Hinschauen. Findet eure Inspiration.

 

Liebe Grüsse Alex

 

Lorai versteht nicht

Lorai wird heute sterben. Sie weiss es nur noch nicht. Auch ihr geschniegelter Neffe hat davon noch keine Ahnung. Also benimmt er sich wie immer daneben. Ihm ist sein Job wichtiger als seine alte Tante. Diese ist davon wie üblich nicht beeindruckt und besteht auf den Ausflug mit ihm und seinen Töchtern. Etwas Abwechslung muss einfach sein. Dabei ist es Lorai absolut wurscht, ob er nun will oder nicht. Sie will, das reicht. Sie hat in ihrem Leben gelernt, alles zu ignorieren, was stört oder eben nicht in den Plan passt. So hat sie bisher alles durchgestanden. Mit Kraft, Willen und einer ganz grossen Portion Naivität. Die hatte zur Folge, dass sie des Öfteren nicht verstanden hatte, was das Leben wieder von ihr wollte. Das ist bis zum heutigen Tag so. Aber heute wird sich alles ändern. Heute wird Lorai verstehen.

 

Das Leben von Lorai, die im Sterben liegt, wird in Episoden aneinandergereiht. Sie sieht dabei, was wirklich wichtig war und was sie weitergebracht hatte. Dabei stellt sie ziemlich erstaunt fest, das nichts so war, wie sie eigentlich dachte. Die Erinnerung ist nämlich eine heimtückische kleine Mücke, die wartet bis man schläft um dann im Dunkeln anzugreifen. Und meistens juckt sie auch ganz schön. Das ist im Tod noch gnadenloser als im Leben.

 

Lorais Geschichten sind am Entstehen und werden 2016 erscheinen. Meine armen Testleser haben jetzt schon das Vergnügen. Aber keine Angst, sie leben noch und haben sogar einen ziemlichen Spass an der Sache. Das erzählen sie zumindest jedes Mal. Bis das Buch erscheint, wünsche ich einfach allen viel Spass beim Lesen der Minis auf meinem Blog.

 


 

Meine Homepage

 

Zu den Minis!

 

Verkaufslink folgt sobald das Buch erhältlich ist.

 

 


Ihr wollt Lorai kennenlernen? Das läßt sich machen!

Lorais Interview mit dem Tod

Interviewerin:                 Lorelay – Protagonistin aus «Lorai» von Le. Alex Sax

Stargast:                           der Tod

 

Lorai:    Guten Tag Herr Tod! Es ist schön, dass Sie sich zur Verfügung stellen, aber ich mache das nicht freiwillig, dass muss ich hier definitiv dokumentieren. Davon abgesehen, wissen sie ja, wer ich bin.

 

Tod:      Hallo Lorai, schön, dass ich Sie treffen darf. Haben Sie Angst vor mir oder weshalb sind Sie nicht freiwillig da?

 

Lorai:    Nein, Sie können mir nichts tun, denn das Morden ist die Sache meiner Autorin. Das muss ich mit aller Entschiedenheit festhalten. Zumindest, was mich anbelangt.

 

Tod:      Natürlich, bei Ihnen ist die Sachlage etwas anders, da sie eine Romanfigur sind.

 

Lorai:    Und genau das ist etwas beunruhigend. Seit meine Autorin diese merkwürdigen Vampirgeschichten schreibt, habe ich den Eindruck, dass der Tod nicht so tot ist, wie ich dachte. Stimmt das?

 

Tod:      Nun ja, ab und zu läuft mal eine Kleinigkeit aus dem Ruder.

 

Lorai:    Was heisst das denn bitte?

 

Tod:      Das ist jetzt etwas peinlich. Aber es gibt Leute, die sind in der Lage, unsere Bürokratie noch zu Lebzeiten auszutricksen.

 

Lorai:    Heisst das, dass meine Autorin das auch könnte?

 

Tod:      Theoretisch ist das möglich. Aber das sollte Ihnen keine Sorgen machen. Unsere Sachbearbeiter sind da eigentlich sehr zuverlässig.

 

Lorai:    Aha, das heisst aber auch, dass man auf Ihrer Seite alle wieder antrifft. Auf die eine oder andere Art. Stimmt das?

 

Tod:      So ist es.

 

Lorai:    Na super! Dann treffe ich also die blöde Zicke vom letzten Arbeitsplatz wieder! Das ist nicht ihr ernst oder?

 

Tod:      Es ist so und auch wieder nicht. Aber näheres darf ich Ihnen nicht erklären. Ihre Autorin schreibt das sonst auf.

 

Lorai:    Natürlich tut sie das.

 

Lorai:    Kann meine Autorin auf der anderen Seite weiterschreiben?

 

Tod:      Ach, sie haben Angst, dass sie die Dame nicht loswerden oder?

 

Lorai:    Leider richtig. Sie korrigiert gerade ihr Buch und findet, ich soll in der Zwischenzeit arbeiten. Das ist die reinste Sklavenhaltung hier. Könnten Sie das unterbinden?

 

Tod:      Sie wissen schon, dass Ihre Autorin das gerade aufschreibt und mitliest oder Lorai?

 

Lorai:    Es war ein Versuch wert. Romanfiguren haben schliesslich weder eine Lobby noch eine Gewerkschaft, die sie schützt. Aber sie haben viel Erfahrung. Kann ich selber etwas dagegen tun?

 

Tod:      Liebe Lorai! Ihre Autorin hat gerade die Themenwoche in einer Facebook-Gruppe geschwänzt. Reden Sie doch einfach mit ihr und schlagen Sie Ihrerseits Themen vor. Dann ist die Dame beschäftigt.

 

Lorai:    Stimmt, ich kann ja selber denken! Das ist mir noch gar nicht aufgefallen. Guter Tipp! Sie sind gar nicht so verkrampft, wie ich dachte. Weshalb gelten sie denn als etwas stur?

 

Tod:      Die Frage können sie auch den Autoren stellen. Deren Fantasie macht ja aus jedem Gänseblümchen eine Monstertulpe. Und nebenbei bemerkt, ist ihre Autorin da auch nicht besser.

 

Lorai:    Die Bemerkung werde ich nicht weiter kommentieren. Ich muss schliesslich mit ihr leben. Eine letzte Frage. Sind Sie glücklich in ihrem Job?

 

Tod:      Ja, ausser ich begegne Autoren, die mir das Leben schwermachen und Protagonisten, die mich austricksen wollen.

 

Lorai:    Gut, dann beenden wir das Interview hier. Ich bedanke mich aber trotzdem bei Ihnen für Ihre Zeit und Mühe. Schliesslich kann ich ja nicht sicher sein, wo und wann ich sie doch noch treffen könnte.

 

Tod:      Gerne geschehen liebe Lorai. Und ja, sie haben recht. Man weiss nie…

 

Der Tod verschwindet und Lorai packt grinsend ihr Notizbuch zusammen. Die Frage, die sie im Kopf hat, ist ganz einfach. Wie konnte sie künftig ihre Autorin reinlegen?

 

Leseprobe aus "Lorlai versteht nicht!

Auf dem Friedhof hat man mehr Spass

   Lorai stöckelte über den schmalen Kiesweg und züchtete mit jedem Schritt Krampfadern. Es war nicht gerade einfach, das Gleichgewicht in diesen zehn Zentimeter hohen und äusserst schmalen Schuhen zu halten. Diese dünnen Bleistiftabsätze waren echt tödlich. Das fanden zumindest ihre Wirbelsäule und die Zehenknochen. Aber ihr Hirn fand sie natürlich super schön. Sie seufzte, aber sie hatte es ja genau so gewollt. Aus Protest. Ok, nur eine leise Randnotiz an das Leben, aber besser als gar nichts. Eine Rebellin zu sein brauchte halt etwas Übung und in diesem Fall, Schmerzen. Auch wenn es nur für den Friedhof war. Möglichst gerade aufgerichtet trippelte Lorai genervt hinter der schleichenden Gruppe her und versuchte dabei möglichst lässig und locker auszusehen. Alle waren in Schwarz gekleidet, trotz der Hitze. Ausser Tante Rosi natürlich. Die war in einen toten Fuchs gewickelt. Wäre es nicht gerade Sommer, würde das Tier ja tiptop auf den Friedhof passen. Gut, eigentlich war es eher ein Rudel, denn bis der Bauchumfang von Rosi gedeckt war, reichte eines der armen Viecher nicht im Entferntesten aus. Am faszinierendsten waren aber Tantchens Füsse. Lorai starrte dauernd darauf. Die waren so richtig dick und aufgequollen und wie immer, passten sie nicht wirklich in die flachen kleinen Schühchen. Kleine Fettlappen stülpten sich jeweils links und rechts zitternd über den Lederrand. Lorai konnte nur mutmassen, wie es den kurzen wahrscheinlich viereckigen Zehen ging. Sie musste sich endlich zusammennehmen, um nicht immer auf das wippende Fett auf dem Kies zu starren. Ihre Schuhe waren allerdings was das anbelangte aber auch nicht wirklich besser. Sie waren genauso eng und starr. Die Blasen an den Fersen japsten jetzt schon nach Luft. Gut, knallrot und nuttig waren sie immer noch die Traumschuhe und bei ihr versuchte das Fett wenigstens nicht verzweifelt zu fliehen. Aber zur Dokumentation ihrer tiefen Trauer sollte es reichen. So war das halt auf einer Beerdigung. Alles schön konform und wie es sein soll. Also schwarz, tot und befehlsmässig traurig. Ausser bei Lorai. Dabei wäre heute Party angesagt und was für eine! Schliesslich war er tot und was noch besser war, er würde es auch bleiben. Aber alle heulten und froh zu sein, wäre somit natürlich total unpassend. Zumindest für die verbleibenden Verwandten. Die Regeln verlangten, dass man ganz offiziell seit acht Uhr morgens klar ersichtlich und zutiefst bekümmert war. Vor siebzehn Uhr durfte dieser Zustand auch auf keinen Fall enden. Auch der Tod hatte Bürozeiten. Nachher sah es nämlich keiner mehr. Lorai verstand echt nicht, was der Blödsinn sollte. Eigentlich wollte sie ja gar nicht zu dieser Beerdigung. Tatsächlich war sie noch nicht lange von ihrem Welschlandjahr zurück und hatte gerade andere Sorgen. Zum Beispiel in die Badi gehen oder so. Jedenfalls wäre alles besser gewesen, als hinter einer hässlichen braunen Metallurne her zu dackeln. Andererseits gab ihr diese Formalität die Sicherheit, dass es auch tatsächlich so war, wie es schien. Er war da drin und kam auch nicht mehr raus. Punkt. Auch wenn es schwierig war, sich vorzustellen, dass ihr Grossvater tatsächlich in dem lächerlich kleinen Gefäss war. Er war ein grosser, dünner und sehr knochiger Mann gewesen. Lorai fand, dass er für die kleine Urne zu viele Knochen gehabt hatte. Na ja, vielleicht hatte der Bestatter ja die Hälfte der Asche in den Abfallkübel gewischt um Kosten zu sparen. Man wusste es nicht. Lorai fand den Gedanken, dass der böse alte Mann möglicherweise zum Teil im Abfall gelandet war, allerdings äusserst erheiternd. Sie musste sich ein Grinsen verkneifen und deckte daher den Mund mit einer Hand ab. Das wäre so kurz vor der Grabstelle, schon sehr asozial gewesen.